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Remagen: Keine klare Vorstellung über künftige Stromversorgung

Von Victor Francke

Remagen. Im Bereich der Strom- und Gasversorgung stehen die Städte und Gemeinden vor einer grundlegenden Entscheidung, mit der sie die zukünftige Ausgestaltung des örtlichen Strom- und Gasnetzbetriebs für die nächsten 20 Jahre festlegen können: Die Frage, welcher Energieversorger in Zukunft das örtliche Energieversorgungsnetz betreiben darf.

Hintergrund: Zahlreiche Konzessionsverträge laufen aus oder sind es bereits. Damit erhält eine Stadt die Gelegenheit, die Energieversorgung und ihren Einfluss darauf völlig neu zu regeln. Auch in Remagen. Allerdings gibt es aus der Römerstadt zu diesem Thema nur wenig Konkretes.

Beigeordneter Joachim Bergmann, Vertreter des in Urlaub weilenden Remagener Bürgermeisters: "Ich kann dazu nichts sagen." Ratsmitglied Ute Kreienmeier (Wählergruppe): "Wir tappen völlig im Dunkeln." Mit Konzessionsverträgen räumt die Gemeinde einem Energieversorger das Recht ein, die öffentlichen Wege und Plätze für (eigene) Gas- und Stromleitungen zu nutzen.

Hierfür bekommt eine Stadt Geld, die Konzessionsabgabe. Nicht zuletzt durch die Liberalisierung der Energiemärkte ist mehr Wettbewerb entstanden. Längst stehen nicht mehr nur die vier großen Lieferanten (EnBW, Vattenfall, E.on, RWE) im munteren Wettstreit. Vielmehr gründen sich mehr und mehr lokale Stadtwerke mit dem Ziel, innerhalb der bestehenden Versorgungsnetze zu günstigeren Preisen zu gelangen.

Erst kürzlich wurden in Bad Neuenahr-Ahrweiler die Ahrtal-Werke gegründet. Dabei bedienen sich die Kreisstädter des Know hows der Stadtwerke Schwäbisch Hall. Wie ein solches Konstrukt funktioniert, wollte die Wählergruppe Remagen genauer wissen. Sie hatte daher den Geschäftsführer der Stadtwerke, Johannes van Bergen, zu einer Informationsveranstaltung eingeladen.

Immerhin geht es um zukunftsweisende Weichenstellungen und nicht zuletzt auch um eine verlässliche Daseinsvorsorge sowie um ein Mehr an kommunalen Gestaltungsspielräumen, aber auch um Klimaschutzgesichtspunkte.

Die dezentrale Energieversorgung sei auf dem Vormarsch, sagte van Bergen. Stromnetz und Stromvertrieb würden künftig mehr und mehr in kommunaler Hand sein. In Bad Neuenahr-Ahrweiler sei es das Ziel, ein Querverbundunternehmen zu schaffen, das in den Sparten Strom, Gas, Wasser, Fernwärme oder auch Energiedienstleistungen erfolgreich sei. Geplanter Umsatz: 30 Millionen Euro per anno.

In Remagen wird nun die Befürchtung laut, dass die Entwicklung an der Römerstadt vorüber rauscht und man an alten Strukturen festhält. "Es macht keinen Sinn, den auslaufenden Vertrag einfach zu verlängern. Hier hängt viel mehr dran. Neue Technologien, oder auch die Chance, sich mehr den erneuerbaren Energien zu widmen", meinte ein Diskussionsteilnehmer.

Für Kreienmeier ist es ein Rätsel, warum aus dem Rathaus angeblich rein gar nichts zu dem Thema zu hören ist: "Über den Verhandlungsstand wissen wir nichts." Sie sieht aber Eile geboten. Nicht nur weil die alten Konzessionsverträge abgelaufen sind. Auch gibt es eine dem General-Anzeiger vorliegende - sehr komplexe - "Machbarkeitsstudie zur Stromversorgung für die Gemeinden des Landkreises Ahrweiler", die Handlungsempfehlungen enthält.

Diese zu verstehen und ihnen zu folgen, setze, so Kreienmeier, umfassende Beratungen und das Erarbeiten von Sachkenntnis durch die Ratsmitglieder voraus. Damit habe man in Remagen leider noch nicht begonnen.

Artikel vom 06.08.2010

Kommentar

Woher Ampere?

Von Victor Francke

Einfach ist die Entscheidung sicher nicht, welchen Weg eine Kommune bei der künftigen Energieversorgung einschlagen soll. Schließlich ist das Thema äußerst kompliziert. Soll die Vergabe an den bisherigen Vertragspartner erfolgen? Sollen andere Netzbetreiber berücksichtigt werden? Soll die Stadt das Energieversorgungsnetz in eigener Regie übernehmen? Kaufen? Pachten? Zu welchem Ertragswert? Zu welchem Sachpreiswert? Soll der Weg der interkommunalen Zusammenarbeit beschritten werden? Soll mit einem privaten Partner kooperiert werden?

In Remagen ist es an der Zeit, die Ratsmitglieder in diesen Fragen etwas mehr unter Strom zu stellen. Immerhin ist der bisherige Konzessionsvertrag bereits Ende 2009 abgelaufen. Nun gilt es zu klären, wie es weiter gehen soll.

Die Chance, Einfluss auf die lokale Energiepolitik bekommen, ergibt sich nicht jeden Tag. Immerhin legt man sich in der Regel für 20 Jahre fest. Während sich andere Kommunen längst positioniert haben, hört man aus Remagen zu diesem Thema (noch) nichts. Das sollte sich schnell ändern. Die Züge fahren nämlich gerade ab.

 

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