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Artikelarchiv vom 20.07.2007
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Arp Museum: Teure Hülle für fragwürdige Inhalte

Zwei Monate vor Eröffnung wachsen die Zweifel - Reicht der Kunstbestand aus, um den 33-Millionen-Prestigebau zu füllen?

ROLANDSECK. Von außen sieht es schon fast fertig aus: Das Arp Museum über dem Bahnhof Rolandseck (Kreis Ahrweiler). In rund zwei Monaten soll es eröffnet werden - doch hinter dem Vorzeigeobjekt des Landes stehen viele Fragezeichen.

Manches harrt seit Jahren einer stichhaltigen Begründung: Etwa die Frage, warum das Bauwerk - obwohl zu 100 Prozent von der öffentlichen Hand bezahlt - niemals öffentlich ausgeschrieben war. Am Ausstellungskonzept wird noch auf der Zielgeraden gefeilt: Statt der vorgesehenen zwei Etagen füllen die Werke des Namensgebers Hans Arp und seiner Frau Sophie Taeuber-Arp voraussichtlich nur das oberste Stockwerk. Selbst Gründungsdirektor Klaus Gallwitz äußert Bedenken, ob das Haus "nicht vielleicht eine Nummer zu groß geraten" ist.

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Der Countdown für das neue Arp Museum in Rolandseck läuft. "Noch 80 Tage" verkündet ein Plakat vor dem dazugehörigen Künstlerbahnhof. In Zehnerschritten zählt dort die künstlerische Belegschaft rückwärts bis zur Eröffnung. Und was kommt dann?

ROLANDSECK. Am 28. September soll Bundeskanzlerin Angela Merkel den Museumsneubau des New Yorker Architekten Richard Meier auf der Rheinhöhe in Remagen-Rolandseck (Kreis Ahrweiler) feierlich eröffnen. Nach Jahrzehnten der finanziellen, künstlerischen und politischen Unwägbarkeiten steht der Traum von Ideengeber Johannes Wasmuth also kurz vor der Verwirklichung: ein Museum für Hans Arp. Doch die wichtigsten Zweifel an dem Projekt sind bis heute nicht ausgeräumt.

Verzicht auf posthum gefertigte Güsse: Indem Gründungsdirektor Klaus Gallwitz und Kulturstaatssekretär Joachim Hofmann-Göttig gemeinsam erklärt haben, keine weiteren Güsse von Arp-Plastiken anfertigen zu lassen, müssen sie nun mit der Konsequenz für das Museum leben. Denn der Arp-Verein ("Stiftung Hans Arp und Sophie Taeuber-Arp e.V."), der als Mitbetreiber Dauerleihgaben aus seiner Sammlung im Wert von 30 Millionen Euro zum Museumsbestand beisteuern sollte, ist durch diese Entscheidung zu einem guten Teil aus der Pflicht. Das Land hat noch Anspruch auf 43 Güsse, die Hofmann-Göttig in seiner Eigenschaft als Vorsitzender der Betreiberstiftung derzeit nicht geltend machen will. Selbst wenn sich ein neuer Museumsdirektor in dieser Frage anders entscheiden sollte - das Geld, um sie anzufertigen (geschätzte Kosten: 1,5 Millionen Euro), hat weder der Arp-Verein noch das Land Rheinland-Pfalz.

Zu groß geratenes Museum: Ursprünglich war vorgesehen, mindestens zwei Etagen des monografisch gedachten Arp Museums dem Künstlerpaar Hans Arp und Sophie Taeuber-Arp zur Verfügung zu stellen. Nun ruft Museumsdirektor Klaus Gallwitz zur Eröffnungsausstellung gleich fünf Künstler zusätzlich auf den Plan, die die 2200 Quadratmeter Ausstellungsfläche mit ihren Arbeiten füllen sollen. So will Gallwitz dem Bildhauer Anselm Kiefer nach eigenen Angaben eine "Walhalla" bauen.

Arps werden lediglich in der obersten Etage zu sehen sein. Dort wird der Museumsbestand um Leihgaben aus internationalen Sammlungen ergänzt. Darüber hinaus nutzen die Verantwortlichen öffentliche Anlässe in jüngster Zeit gern, um die aufkommenden Erwartungen zu bremsen. Kulturstaatssekretär Hofmann-Göttig will schon seit seinem Amtsantritt nichts von einem "Bilbao am Rhein" wissen und spielt lieber eine Liga darunter. Museumsdirektor Gallwitz äußerte erst vor Kurzem öffentlich Bedenken darüber, ob das Haus "nicht vielleicht eine Nummer zu groß geraten" sei. "Die Herausforderung, die in diesem Projekt liegt, wurde mir erst vor wenigen Tagen bewusst", konstatierte er. "Wir sollten keine Überinszenierung machen und nicht im Schweinsgalopp die großen Namen und Termine durchjagen", mahnte Gallwitz zur Bescheidenheit im Sinne des namensgebenden Künstlers.

So viel Tiefstapelei in Hinsicht auf des Landes ehrgeizigstes Kulturprojekt (als solches war es einmal angekündigt) lässt fragen: Kriegen die ihr Museum überhaupt voll? Fakt ist: Weder das Land noch der Arp-Verein lassen sich in die Karten schauen. Inventarlisten ihres Kunstbestandes sind von keiner der beiden Betreiberinstitutionen zu bekommen. Schlimmer noch: Unter den Verantwortlichen des rheinland-pfälzischen Kulturministeriums findet sich niemand, der weiß, welche Kunstwerke sich überhaupt im Besitz des Arp-Vereins befinden. Eine Expertenkommission, die den Wert der Arp-Sammlung prüfen sollte, die das Land für rund 10 Millionen Euro vom Arp-Verein kaufte, ist bislang nicht eingesetzt worden.

Betrieb als offene Rechnung: Noch kann niemand sagen, welche Summen der Betrieb des Museums verschlingen wird. 1,78 Millionen Euro vom Land sind dafür bis 2008 gesichert. Dass damit nicht viel Staat zu machen ist, schwant dem Direktor schon jetzt. Er muss sparen - weshalb während der Bauzeit des Museums im Bahnhof bloß ein Kleinst-Kunstprogramm gefahren wurde. Im Eröffnungsjahr sollen sich Besucher auf dem Berg zudem mit der Architektur und dem Blick nach draußen begnügen: Binnen Jahresfrist sind für den Meierbau derzeit keine weiteren Ausstellungen geplant.

Hinzu kommt, dass der Vertrag von Gründungsdirektor Klaus Gallwitz im Frühjahr 2008 ausläuft. Der 76-jährige Gallwitz ist nach Raimund Stecker bereits der Zweite im Amt. Er wurde im Februar 2006 aus den Reihen der Findungskommission berufen, weil diese nach damaligen Angaben des Kulturministeriums unter 60 Bewerbern keinen Kandidaten als geeignet befand. Gallwitz' Arbeitsauftrag endet mit der Eröffnung des fertigen Museums. Um einen Nachfolger, der inhaltliche Konzepte für das Danach entwickelt, hat man sich seitens der Betreiberstiftung bisher nicht bemüht.

Das Vorhaben, private Geldgeber für das neue Museum zu begeistern, schlug im ersten Versuch fehl. Ende Juni scheiterte die Gründung eines Fördervereins, der den Betrieb finanziell unterstützen und außerdem Ankäufe tätigen soll, aufgrund unterschiedlicher Interessenlagen. Derzeit wird versucht, die Beteiligten wieder an einen Tisch zu bringen und die "unsichere rechtliche Lage des Hauses und seiner Praktiken" (Gallwitz) bis zur Eröffnung vertraglich zu festigen.

Ungeklärte Rechtsfragen: Wie die viel zitierten Gussrechte - also die Legitimation, von Hans Arp geschaffene Plastiken nach seinem Tod in der von ihm vorgegebenen Anzahl zu fertigen - auf den Arp-Verein übergehen konnten, ist nach wie vor unklar: Zwar ist der Streit um den Nachlass zwischen Arp-Verein und den Arp-Stiftungen in Deutschland und Frankreich inzwischen beigelegt. Doch die Rechtslage ist zumindest diffus. Ein Papier, das das Nutzungsrecht an Werken aus dem Nachlass Hans Arps (Tantiemen, Druckrechte für Anthologien, Vervielfältigen von Plastiken oder Drucken) auf den Arp-Verein überträgt, ist außerhalb dieses Zirkels nicht bekannt.

Für die Architektenleistung des 33 Millionen Euro teuren Bauprojekts (17 Millionen vom Bund aus dem Fördertopf Bonn-Berlin-Ausgleich, der Rest vom Land) hat es nie einen Architektenwettbewerb oder eine öffentliche Ausschreibung gegeben - obwohl das Vergaberecht im Landeshaushaltsgesetz hier sogar einen europaweiten Wettbewerb vorschreibt. Freihändig vergeben werden dürfen Architektenaufträge lediglich bis zu einem Volumen von 211 000 Euro. Für die künstlerische Leitung des Projekts erhielt Architekt Richard Meier gemäß der Honorarordnung für Architekten und Ingenieure (HOAI) vom Land allein 1,8 Millionen Euro. "Eine Ausschreibung ist ab dem genannten Schwellenwert zwingend notwendig und gesetzlich verbindlich. Ausnahmen sieht das Gesetz nicht vor. Wird diese Regel umgangen, handelt es sich um einen Rechtsbruch", sagt Rechtsanwalt Valentin Fett, der als Spezialist für Vergaberecht die Mitglieder der Architektenkammer in Mainz berät.  Nicole Mieding

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