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Artikelarchiv vom 12.12.2006

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Asbestschiff "Bellevue" wird zerlegt


Entsorgungsspezialisten arbeiten am Rückbau des ehemaligen Ausflugsdampfers - Zeitplan setzt Experten unter Druck

Als "Schrottschiff" machte die einstige "Perle von Oberwinter" unrühmliche Schlagzeilen. Jetzt tritt die "Bellevue", wie der Ausflugsdampfer richtig heißt, ihre letzte Reise an.

ROLANDSECK. Das mit Asbest verseuchte ehemalige Ausflugsschiff "Bellevue", das seit neun Jahren auf dem Werftgelände in Oberwinter-Rolandseck liegt, wird endlich entsorgt. Derzeit sind Mitarbeiter der Asbestentsorgerfirma AsEG aus Girkenroth (Westerwaldkreis) dabei, das "Schrottschiff" Deck für Deck abzuschotten.

Die Schiffsetagen sind bereits mit Folie abgedichtet, damit die darin befindliche Luft abgesaugt werden kann. In der so erzeugten Unterdruckkammer lösen Arbeiter in Schutzanzügen die aus Spritzasbest bestehende Innenraumisolierung an, um sie mit Zement zu binden. In sogenannte Big Bags, speziell beschichteten, reißfesten und verschließbaren Polypropylen-Taschen, tritt die Innenausstattung der "Bellevue" schließlich als Sondermüll ihre letzte Reise auf die Deponie in Ochtendung (Kreis Mayen-Koblenz) an.

Für die Entsorgungs-Spezialisten herrschen bei der Arbeit erhöhte Sicherheitsvorschriften. "Spritzasbest ist ein sehr locker gebundenes Material, das bereits bei geringen Erschütterungen und erst recht beim Abschaben oder Absaugen große Mengen Asbeststaub freisetzt", erklärt Firmenchef Rolf Börstinghaus. Wird dieser Staub eingeatmet, kann er zu Lungen-, Kehl-kopf-, Rippen- oder Bauchfellkrebs führen. Personen an Bord müssen deshalb gemäß Gefahrenstoffverordnung spezielle Schutzanzüge und Atemschutzmasken tragen und dürfen die Gefahrenzone nur über eine Schleuse verlassen. Sie werden darin von Kopf bis Fuß abgesaugt und so von fliegenden Asbestfasern gereinigt. Erst nach dem Duschen dürfen sie ihre Atemschutzmaske ablegen. Kontaminierte Arbeitskleidung und der Asbestabfall werden in Foliensäcke verpackt und zusätzlich mit Faserbindemittel besprüht, um ein Austreten zu verhindern.

Aufgrund der körperlichen Belastung dürfen die Arbeiter maximal zwei Stunden am Stück im Einsatz sein, dann müssen sie eine Pause einlegen. Entsorgungsspezialist Börstinghaus weiß schon jetzt, dass der Rückbau bis zum Jahresende, wie von der Kreisverwaltung vorgegeben, nicht zu schaffen ist.

Die "Bellevue" ist eine Altlast, die die Werftpächter, das Werft- und Servicezentrum Mittelrhein, von Rainer Ritzdorf, dem insolventen Werfteigentümer, "geerbt" haben. Knapp ein Jahrzehnt rostet der 1936 gebaute Rheindampfer in Oberwinter vor sich hin. Nachdem vor drei Jahren bereits der hintere Teil des einst 70 Meter langen Passagierschiffs entsorgt wurde, haben Pächter und Eigentümer sich nun bereit erklärt, den 55.000 Euro teuren Rückbau gemeinsam zu finanzieren. Auf den Kosten werden beide Parteien wohl sitzen bleiben.
(nim)

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