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vom 23.12.2010

Dramatischer Besucher-Rückgang im Arp-Museum

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Von Thomas Kliemann

Rolandseck. Es gehört reichlich Fantasie dazu, sich den verschneiten Drachenfelsen weg- und ein blühendes Siebengebirge herzudenken, sich vorzustellen, wie lauschig es auf der Loggia des Bahnhofs Rolandseck an einem Sommerabend bei Käse und Wein sein kann. 

Arp-Direktor Oliver Kornhoff und sein Team hatten offensichtlich diese Fantasie, als sie ein blühendes, üppiges Jahresprogramm für 2011 entwarfen, das am Mittwoch im verschneiten Kunst-Bahnhof vorgestellt wurde. Taktschläger ist im nächsten Jahr die Bundesgartenschau (Buga) in Koblenz, der Höhepunkt in Rheinland-Pfalz, sieht man einmal von den Landtagswahlen am 27. März ab.

Das Arp-Museum gehört zu den von der Buga ausgerufenen "Meisterwerken der Region", gemeinsam mit Schloss Engers, Burg Eltz, der Loreley, dem Regierungsbunker in Ahrweiler, dem Nürburgring und anderen. Den erwarteten Schub durch die Buga in Koblenz kann das Arp-Museum gut gebrauchen. Denn mit den Besucherzahlen geht es bergab.

Das vor drei Jahren mit dem neuen Meierbau eröffnete Museum schwächelt: 61.000 Besucher kamen im Jahr 2010, im Jahr zuvor waren es noch 73.500 gewesen. Kornhoffs Erklärung: "Wir sind ein Ausflugsmuseum: Der Sommer war gut - und die Sockel-Ausstellung mit 30.000 Besuchern sehr erfolgreich - aber der Winter war lang." Das Kulturhauptstadtjahr "Ruhr.2010" habe zudem viel Publikum absorbiert, sagt er.

Hinzu kommt, dass die ebenfalls mit einer miesen Quote kämpfende Bundeskunsthalle in diesem Jahr als Zugpferd für die Region ausfiel. "Geht es der Bundeskunsthalle gut, geht es auch uns gut, auswärtige Gäste gehen erst in die Bundeskunsthalle und kommen dann zu uns", sagt Arp-Pressesprecherin Claudia Seiffert.

Der politische Gegenwind aus Mainz ließ nicht lange auf sich warten: Die kulturpolitische Sprecherin der CDU-Landtagsfraktion, Brigitte Hayn, rief am Mittwoch nach konzeptionellen Maßnahmen und erinnerte an die von dem ehemaligen Kulturstaatssekretär und jetzigen Oberbürgermeister von Koblenz, Joachim Hofmann-Göttig (SPD) gesetzte Marke von 100.000 Besuchern pro Jahr.

Hayns Parteifreund, der Landtagsabgeordnete Guido Ernst, kritisierte das Arp-Museum als "massives Zuschussgeschäft" und fordert ein Gegensteuern. Pikanterweise könnte er selbst dazu beitragen, denn er sitzt im Kuratorium des Arp-Museums. In Wahlkampfzeiten werden aus Freunden Feinde.

Kornhoff tut das, was aus seiner Sicht das Klügste ist: Er blickt nach vorn. Und dieser Blick richtet sich, befeuert durch die Buga, auf das Themenjahr "Natur & Landschaft", dem sich alle Ausstellungen unterordnen. Für die Schweizer Gerda Steiner und Jörg Lenzlinger kein Problem, sie sind es gewöhnt, an der Nahtstelle zwischen Natur und Zivilisation zu arbeiten.

Für Rolandseck werden sie die Installation "Hochwasser - Trink oh Herz vom Überfluss der Zeit" realisieren. Eine Affinität zur Landschaft ist weder Martin Noël abzusprechen, dem im Bahnhof eine Werkschau eingerichtet wird, noch Hans Arp, den das Museum unter dem Motto "Biomorph!" in einen Dialog mit Künstlern späterer Generationen bringt.

Der Patron des Hauses wird dabei auf Louise Bourgeois und Tony Cragg, Wilhelm Mundt, Jeff Koons und Thomas Rentmeister treffen. "Warum ist Landschaft schön?", fragt die Ausstellung "Belvedere", eine vielversprechende Analyse des Genres und der Figur des Wanderers, der die Natur erschließt. Die Schau wird das Museum mit dem Skulpturenufer verknüpfen.

Wer vom Arp-Museum Richtung Siebengebirge blickt, sieht das, was Menschen seit Jahrhunderten fesselt und berührt. Warum? Die Ausstellung "Rheinromantik. Mythos und Marke" wird dieses Phänomen von allen Seiten beleuchten, von der hehren Kunst bis zum Kitsch.

 

Dank der Sammlung Rau, die Gast bei Arp ist, kann das Haus auch Klassiker von Fra Angelico bis Claude Monet auffahren. Im Frühjahr geht es um die Landschaft, im Herbst dann passend um die "Nature morte", das Stillleben also. Ein spannendes Ausstellungsjahr.

 

(23.12.2010)

 

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