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Artikelarchiv vom 08.01.2008
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 Buhlen um Kundschaft am Rhein

Weil Remagen und Sinzig als Mittelzentrum gelten, müssen die Städte für die Zukunft gemeinsame Marktstandorte festlegen

Im Werben um Käufer ist zwischen Remagen und Sinzig derzeit ein Rennen um den Bau neuer Supermärkte im Gang: Als "Mittelzentrum" müssten die Nachbarstädte laut Landesgesetz bei der Planung von Einzelhandelsflächen eigentlich an einem Strang ziehen. Stattdessen aber versuchen die rivalisierende Rheinstädte mit eiligen Beschlüssen ihre Pfründe zu sichern - und graben sich gegenseitig das Wasser ab.

SINZIG/REMAGEN. Von "mangelhafter Informationspolitik" bis "Unterschlagung" ist derzeit unter Sinzigs Stadträten die Rede, weil sie über die Ansiedlung eines SB-Warenhauses auf dem Raiffeisengelände befinden sollten, ohne Planungsunterlagen und das bereits vorliegende Grundsatzpapier zur Entwicklung des Einzelhandels in Remagen und Sinzig zu kennen. Irritierend an der Debatte, die daraufhin von Leserbriefschreibern in unserer Zeitung geführt wurde, ist die Tatsache, dass selbiges Konzept den Remagener Stadträten längst bekannt ist.

In Remagen wurde dieses von der Erlanger Firma "Markt und Standort" entwickelte "Kommunale Einzelhandelskonzept für das gemeinsame Mittelzentrum Remagen-Sinzig" in der Stadtratssitzung am 22. Oktober 2007 verabschiedet. Den Räten der Barbarossastadt liegt das grundlegende Papier, das Gebiete für die Ansiedlung von Einzelhandel für Remagen und Sinzig verbindlich festschreibt, aber bis heute nicht vor. Auch gemeinsame Beratungen hat es zwischen den Mandatsträgern der beiden Rheinstädte bisher nicht gegeben. Jüngst scheiterten deshalb in der Barbarossastadt aktuelle Beschlüsse über die geplante Ansiedlung der Kaufland-Unternehmensgruppe auf dem Raiffeisengelände aufgrund fehlender Informationen. Der Entscheid über das Marktcenter am Bahnhof mit mehr als 3000 Quadratmetern Verkaufsfläche wurde auf Antrag des SPD-Sprechers Dirk Banze mit knapper Mehrheit vertagt (die RZ berichtete).

Im selben Bestreben, sich Zeit für Beratungen zu verschaffen, waren Remagens Stadträte zuvor gescheitert. Auch sie bemängelten, keine Gelegenheit gehabt zu haben, um sich inhaltlich mit dem Konzept zu beschäftigen. Beratungen fanden lediglich in nichtöffentlichen Sitzungen des Bauausschusses statt. In besagter Oktober-Sitzung verfehlte der Grünen-Sprecher Frank Bliss mit seinem Antrag auf Absetzung des Tagesordnungspunktes, in dem die Ansiedlung eines Einkaufszentrums auf dem Bechergelände abschließend beraten - und auch beschlossen - wurde, aber knapp die Mehrheit. Bliss sieht in dem Entscheid einen Verfahrensfehler: Solange das gemeinsam geltende Einzelhandelskonzept nicht mit Sinzig abgestimmt sei, könnten daran gebundene Beschlüsse nicht verabschiedet werden, argumentiert er.

180 Millionen Euro können die Bürger von Remagen und Sinzig für ihre Einkäufe ausgeben. Das haben die Erlanger Marktforscher im Auftrag der beiden Rheinstädte errechnet. Damit die Bürger möglichst viel Geld in ihren Wohnorten ausgeben und nicht etwa den Einkauf am Arbeitsort gleich mit erledigen, sind die als "Mittelzentrum" geltenden Pendlerstädte zu einem gemeinsamen Einzelhandelskonzept verpflichtet. Kaufkraft binden, ohne sich gegenseitig die Kunden wegzunehmen, heißt das darin formulierte Ziel. Gemäß dem Konzept, das noch der Zustimmung des Sinziger Stadtrats bedarf, darf Einzelhandel nur noch auf definierten Arealen neu angesiedelt werden. In Remagen kämen dafür dann nur noch das Bechergelände (Alte Straße/Goethestraße), das derzeitige Postareal (Von-Lassaulx-Straße) und das Werftgelände in Oberwinter in Frage. Für Sinzig werden die Gebiete Marktcenter am Bahnhof (Raiffeisengelände), Präparandie (Lindenstraße) und Schmicklergelände (Harbachstraße) als "Potenzialfläche" genannt. "Die Entwicklung von weiteren Solitärstandorten ist zu vermeiden, um eine Zersplitterung der Einzelhandelspotenziale zu minimieren", raten die Marktforscher abschließend, die sich in ihren Untersuchungen mit bereits vorhandenen Sortimenten und Kaufkraftströmen beschäftigten.

Nun steht in Sinzig die Beratung des Konzepts für Montag, 14. Januar, an. Dann erörtern Mitglieder des Bauausschusses sowie des Ausschusses für Stadtentwicklung und Fremdenverkehr in öffentlicher Sitzung ab 17 Uhr im Rathaussaal das Papier, das nach seiner Verabschiedung gemäß landesplanerischer Vorgaben rechtlich bindend sein wird.

Nicole Mieding

Hinweis: Dieser Artikel stammt aus unserem Archiv.
Die darin enthaltenen Informationen könnten inzwischen überholt sein!

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