WDR LOKALZEIT Bonn: Video vom 07.07.08

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Asbeck baut 5 Kilometer Gitterzäune um 34 Hektar Naherholungsgebiet

„Hohe Zäune für große Tiere“

WGR fordert den Bürgermeister zum Erlass eines Baustopps auf

 

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Die WählerGruppe Remagen (WGR) und mit ihr die erholungssuchende Bevölkerung sind erschrocken bis entsetzt über einen massiven baulichen Eingriff im Landschaftsschutzgebiet am Steinbruch »Dungkopf« oberhalb der kleinen und friedlichen Ortschaft Unkelbach. Nachdem Solarmogul Frank Asbeck, neuer Herr auf Jagdschloss Calmuth, bereits im Calmuth-Tal selber eine ca. 70 Meter lange Halle ohne Baugenehmigung als „Schwarzbau“ errichten ließ, greift der Solarkönig nun durch den Bau eines 5 Kilometer langen und zwei Meter hohen Gitterzauns um ein 34 Hektar großes Naherholungsgebiet massiv in die berechtigten Interessen der erholungssuchenden Bevölkerung ein.

„Wo bislang Wanderer, Sommerfrischler und Taucher zu den Schönheiten von Natur und Gewässer freien Zutritt genießen konnten, will der ambitionierte Jagdherr Asbeck zukünftig hinter Zäunen und Gittern das Areal allein für die Anzucht von jagdbarem Wild wie Muffelwidder nutzen“, übt WGR-Vorsitzende und Försterin Ute Kreienmeier scharfe Kritik an der beabsichtigten „eindimensionalen Flächennutzung eines scheinbar Privilegierten“. „Der Flächennutzungsplan der Stadt Remagen und die Ortspolitik von Unkelbach wollen hier um den Steinbruch »Dungkopf« ein Naherholungsgebiet für die Bevölkerung, aber nicht das eingezäunte, herrschaftliche Jagdgebiet eines Einzelnen“, stellt Ortsbeiratsmitglied und Diplom-Geograph Udo Müller die Interessen der Ortsgemeinschaft heraus.

Ratsfrau Kreienmeier und Ortsbeiratsmitglied Müller fordern Bürgermeister Herbert Georgi daher auf, als Ordnungsbehörde unverzüglich mit einem Baustopp einen Riegel vor das „selbstherrliche und ohne mit den städtischen Gremien abgestimmten Treiben“ des Solarkönigs in den Wäldern rund um das Calmuth-Tal zu schieben. Gleichzeitig fordern die WGR-Vertreter den Bürgermeister auf, dass er Asbecks Bauaktivitäten im Außenbereich endlich auf die Tagesordnung der politischen Gremien setzt und für Transparenz sowie Rechtmäßigkeit in den „undurchsichtigen Vorhaben“ des Schlossherrn im Calmuth-Tal sorgt.

Nach Informationen aus der Stadtverwaltung hat Solarchef Frank Asbeck, Mitbegründer der NRW-Grünen, mittlerweile rund 350 Hektar Privatwald rund um das Jagdschloss Calmuth in sein Eigentum bringen können. Hierzu zählen die beiden privaten Forstbetriebe der Familie Becher, das ehemalige Gelände der Film-Union, Forstbesitz der Familie von Fürstenberg oberhalb der Apollinariskirche Remagen, zahlreiche kleine Privatgrundstücke sowie der ehemalige Basaltsteinbruch Dungkopf bei Unkelbach von der Basalt AG mit Sitz in Linz. Der von Bürgermeister Georgi forcierte Verkauf des städtischen Waldes „Goldgrube“ war im Haupt- und Finanzausschuss der Stadt Remagen Ende letzten Jahres auf politischen und öffentlichen Druck hin einstweilen gescheitert. „Ein Hauptargument war und ist die freie Zugänglichkeit des Waldes und die Sorge vor der Durchsetzung einseitiger jagdlicher Interessen des Hobby-Jägers Asbeck zu Lasten der Interessen unserer Bevölkerung an einem multifunktionalen Wald“, erläutert Försterin Ute Kreienmeier. Bürgermeister Georgi hat allerdings bereits in den laufenden Verkaufsverhandlungen Mitte letzten Jahres die Nutzung des Jagdausübungsrechtes im Stadtwald im Vorgriff ohne Ausschreibung und Beteiligung der politischen Gremien für die Dauer von 9 Jahren an Frank Asbeck verpachtet. Aus dem Umfeld von Asbeck ist zu hören, dass die „erste Runde im politischen Verkaufspoker“ nicht gewonnen wurde. Das starke Interesse am Ankauf sei allerdings ungebrochen. Zurzeit soll Asbeck nach vorliegenden Informationen von Remagener Waldbesitzern zunächst einmal eine „Ankaufsoffensive“ im Kleinprivatwald führen.


Foto: Dirk Kreienmeier

Zaunabsperrungen in freier Natur wie an einer Demarkationslinie: Soll am »Dungkopf« zugelassen werden, dass die Verkehrssicherungspflicht für das Steinbruchgelände als Begründung für einen zwei Meter hohen und 5 Kilometer langen Bauzaun um ein 34 Hektar großes Areal herhalten darf, fragen sich besorgte Mitglieder und Bürger bei einem Ortstermin. – Dagegen können im benachbarten Naturschutzgebiet Siebengebirge die zahlreichen aufgelassenen Steinbrüche seit Jahrzehnten erfolgreich gesichert werden, in dem unauffälligen Zäune aus zwei Drahtseilen direkt vor der Steinbruchkante aufgestellt worden sind, ohne das Naturgenießer ausgesperrt oder beeinträchtigt werden.


Foto: privat

Ende für ein kleines naturnahes Freizeitparadies am »Dungkopf«? – Wo Tauchfreunde aus ganz NRW und Rheinland-Pfalz früher für einen Tagespreis von 7 bis 8 Euro bislang die Unterwasserwelt mit Süßwasserquallen, Schwämmen, Steinformationen, Barben, Aalen und Rotfedern erforschen konnten und sich Sommerfrischler noch wie im Luftbild aus dem Sommer 2009 tummelten, soll zukünftig ein abgesperrtes und eingezäuntes Areal für die Anzucht von jagdbarem Wild wie Muffelwidder entstehen.

 

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