WDR LOKALZEIT Bonn: Video vom 07.07.08

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Stellungnahme zum Interview Georgi im Blick Aktuell Nr. 01/2007 und zur Information der SPD-Fraktion des Stadtrates Remagen zum gleichen Thema

"Remagen: Konzeptlos in die Zukunft?"

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Ich lebe mit meiner Familie inzwischen 9 Jahre in Oberwinter. Seit dieser Zeit verfolge ich die Geschehnisse in und um Remagen aus natürlichem Interesse. Ich habe immer vermutet, dass es kein Zukunftskonzept für Remagen und seine zugehörigen Orte gibt. Ich bin ausgesprochen überrascht, das sowohl der Bürgermeister wie auch die SPD-Fraktion dies offen zugibt. Während die SPD-Faktion viele Jahre lang die Möglichkeit gehabt hätte, eine solche Zukunftskonzeption zu entwickeln und eine solche immerhin als Opposition für notwendig hält, weis unsere oberste Führungskraft der Stadt gar nichts damit anzufangen. Und so entwickelt sich auch Remagen dementsprechend.

Der Bürgermeister übersieht, dass es nicht nur kein Konzept für den Stadtkern Remagen gibt, es gibt auch kein Konzept für die Orte wie z.B. Oberwinter oder Rolandswerth und dies gilt in gleichem Maße sicher auch für die anderen zugehörigen Orte. Wenn man sich überlegt, dass in Rolandswerth mit erheblichen finanziellen Aufwand ein Museum gebaut wird, und dieses soll viele Besucher anziehen, dann fragt man sich gleichzeitig, welchen Plan hat denn der Bürgermeister, diese Besucher nach Oberwinter oder an die Rheinpromenade Remagens zu bringen. Die Antwort ist : keinen. Stattdessen diskutiert der Stadtrat über die Ansiedlung eines Discounters auf dem Gelände der Schiffswerft, einer Fläche, mit der sicher etwas besseres anzufangen wäre, um Besucher des Arp-Museums dort nach einem Besuch des Museums zu binden, zumal die Versorgung der Bevölkerung Remagens sicher keines weiteren Discounters bedarf.

Ich frage mich, was kann Remagen einem Besucher überhaupt bieten? Eigentlich außer der Remagener Brücke nichts. Die Rheinpromenade Remagens gleicht einem großen Parkplatz, jede Gaststätte der Rheinpromenade tobt ihren Geschmack in immer hässlicheren Bestuhlungen und Reklameschirmen aus, der gesamte Eindruck ist erbärmlich und unterstreicht die teilweise trostlosen Fassaden. Eine verpasste Möglichkeit, die Konzessionen an ein einheitliches Auftreten zu binden. Aber wenn man keine Vorstellung von der Zukunft hat, kann man auch Wertvorstellungen vermitteln.
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Andere Städte haben ein Konzept für die Zukunft entwickelt und setzen dieses jeweils um, wenn sich die Gelegenheiten bieten. Aber sie nehmen auch Gelegenheiten nicht war, wenn diese nicht in das Konzept passen, denn dazu ist eine Konzeption auch eine Entscheidungshilfe. Aber wenn man keine hat, dann verkommt das Handeln zum reagieren. Das beste Beispiel dafür sind die Vorgänge um das Bechergelände.

Von einem Stadtoberhaupt erwartet man aber, dass er agiert, seine Vorstellungen für die Entwicklung der Stadt artikuliert und damit den Bürgern und  den Investoren einen Anhalt dafür gibt, ob es sich in Zukunft lohnt, in dieser Stadt zu leben oder was und wo es sich lohnt zu investieren. Aber wenn man keine Vorstellung hat, wird man getrieben, wie unser Stadtrat. Der Herr Bürgermeister definiert lieber Eckpunkte, besser gesagt, Unverbindlichkeiten pur. Natürlich ist das fehlende Geld die Entschuldigung für ein fehlendes Konzept, dass man sowieso nicht für notwendig hält.

Das beste Beispiel ist doch die Kernstadt. Was soll denn jemanden bewegen, die Innenstadt von Remagen zu besuchen, wenn er nicht gerade dort wohnt. Buchstäblich nichts, denn einerseits gibt es erhebliche Leerstände, die existierenden Geschäfte sind leer, Publikumsverkehr, der anziehend wäre, gibt es nahezu auch keinen, was also?

Ach ja, da ist der Jakobsmarkt, da ist der Lebenskunstmarkt, der Karnevalsumzug. Und was ist mit den restlichen ca. 330 Tagen im Jahr?

Da führt die Entwicklungsagentur Rheinlandpfalz Gespräche mit Grundeigentümern, um die Leerstände zu beseitigen und das Quartier zu beleben. Ich frage mich mit welcher Konzeption diese Gespräche geführt werden. Welche Art der Klientel soll denn angelockt werden, welchen Eindruck will man kreieren, welches Gesicht soll dieser Bereich haben, wofür steht Remagen? Alles Fragen, die im Rahmen einer Entwicklung von Zukunftsvorstellungen beantwortet werden. Woran soll ein Interessierter denn denken, wenn er zukünftig den Namen Remagen hört? Die Antwort kann sich doch nicht in dem Satz „Remagen mag ich“ erschöpfen.

Der Abschnitt des Rheins, an dem Remagen mit seinen Orten liegt, ist als ein Teil des Abschnittes der Rheinromantik bekannt, das können aber nur Menschen behaupten, die Remagen noch nicht besucht haben. Sicher, der Rolandsbogen,  Nonnenwerth und der Dorfbereich von Oberwinter sind  romantische Orte, aber das kann es doch nicht gewesen sein.

In der Wirtschaft lernt man, dass ein Handeln ohne Zukunftskonzept ein Handeln ohne Strategie und ohne Ziele bedeutet, damit Agonie und nachfolgend den Tod eines Unternehmens nach sich zieht, früher oder später. Für unsere Stadt hat die erste Stufe dazu bereits sichtbar begonnen. Wenn die im Stadtrat vertretenen Parteien nicht in der Lage oder Willens sind, gemeinsam ein Zukunftskonzept für die Stadt in ihrer Gesamtheit zu entwickeln, dann gehören sie dort nicht hin. Auch in einer Stadt wie Remagen gibt es sicher genügend Bürger, die willens und in der Lage sind, gemeinsam eine solche Zukunftsvision für Remagen zu entwickeln und das auch für notwendig halten. Ich jedenfalls gehöre dazu.

Dr.-Ing. Hans-Gerd Höptner, Oberwinter

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