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General-Anzeiger online

Vor dem Aufmarsch der Rechten am 19. November

Die Madonna wird zur Reizfigur

Der frühere Bürgermeister Hans Peter Kürten ist entsetzt über die Diskussion

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Von Victor Francke

Remagen. Soll die Schwarze Madonna in der Friedenskapelle auf den Rheinwiesen zumindest während des Aufmarsches der Rechten am kommenden Samstag und der sich anschließenden Kundgebung entfernt werden? Im Haupt- und Finanzausschuss der Stadt warnte man vor voreiligem Aktionismus und empfahl, den Schöpfer der Tonfigur, den 1977 verstorbenen Adolf Wamper, näher unter die Lupe zu nehmen. Wamper war im Jahre 1944 von Adolf Hitler in die „Liste der Gottbegnadeten Künstler“ aufgenommen worden. Er galt als einer der Vertreter der nationalsozialistischen Kunstauffassung.

Die Friedenskapelle liegt auf dem Areal, auf dem sich nach dem Zweiten Weltkrieg das Kriegsgefangenenlager „Goldene Meile“ der Alliierten befunden hat. Alljährlich (so auch am kommenden Samstag) ist das Gelände auf den Rheinwiesen Ziel eines Aufmarsches rechtsextremistischer Gruppierungen. Die Madonna wurde im vergangenen Jahr während des Aufmarsches und der sich anschließenden Kundgebung von Vertretern der Friedensbewegung  „Bündnis für Frieden und Toleranz“ verhüllt, um zu dokumentieren, dass man weder die Kapelle noch die Madonna für die Zwecke der Rechten missbraucht sehen will. Nun stellt sich jedoch heraus, dass die Tonfigur von einem nicht unbekannten Künstler des Nationalsozialismus geschaffen wurde. Gesprochen wird bereits von einer „Reizfigur“ und „braunen Reliquie“. Beschafft wurde sie vom früheren Remagener Bürgermeister Hans Peter Kürten, dem Initiator des Friedensmuseums „Brücke von Remagen“.

Kurt Kleemann, Historiker und Leiter des Friedensmuseums, plädiert für eine sorgfältige, wissenschaftlich fundierte Prüfung, ob Wamper tatsächlich zur ersten Garde der NS-Künstler gehörte, und ob er überhaupt –wie im Internet nachzulesen – in Adolf Hitlers „Liste der Gottbegnadeten Künstler“ aufgeführt war. „Hier ist viel aufwendige Recherche nötig“, so Kleemann. Und Sensibilität. Schließlich könne Wamper sich nicht mehr wehren.

Remagens Ex-Bürgermeister Kürten zeigte sich gestern entsetzt über die Diskussion und sprach von einer „Katastrophe“. „Ich bin sehr traurig über den Vorgang“, sagte er zum General-Anzeiger. Als er die Figur beschaffte, habe er nicht gewusst, wer der Schöpfer des Kunstwerkes gewesen sei. Das habe er erst später erfahren. Die Madonna befindet sich im Eigentum des Vereins „Friedensmuseum Brücke von Remagen“, dessen Vorsitzender Kürten ist. Das frühere Stadtoberhaupt sprach sich dafür aus, die Madonna in der Kapelle zu belassen: „Wir ändern nichts.“ Auch am Sonntag nicht, wenn wieder 300 Neo-Nazis an ihr vorbeiziehen.

Die Figur der Schwarzen Madonna ist übrigens eine Nachbildung. Das Original befindet sich in Kripp, in der dortigen Pfarrkirche.

Artikel vom 16.11.2011

 

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