WDR LOKALZEIT Bonn: Video vom 07.07.08

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Bürgermeister-Kandidaten werben um Muslime

„Wir sind in Bewegung“

 

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„Die Anliegen unserer ausländischen Mitbewohner sind in der Remagener Politik und Bürgerschaft angekommen“, sieht nicht nur der in Remagen aufgewachsene griechische Staatsbürger Ali Tzinali hoffnungsvolle Zeichen in der Integrationspolitik der Römerstadt. Schließlich war die Vorstellungsrunde zur Bürgermeisterwahl bei der muslimischen Gemeinde im Restaurant/Hotel Anker am vergangenen Mittwoch die erste Wahlkampfveranstaltung, zu der mit Herbert Georgi, Detlev Maaß und Beate Schleitzer alle drei Bürgermeister-Kandidaten gekommen waren, freut sich Initiator Tzinali, der als Ortsbeiratsmitglied der WählerGruppe Remagen e.V. (WGR) in der Kommunalpolitik aktiv ist. Mitgetragen wurde die Veranstaltung von der Ditib-Türkisch-Islamische Gemeinde, dem Sportverein »Türkspor Remagen« und dem amtierenden Ausländerbeirat der Stadt Remagen.

Die starke Resonanz mit einem bis auf den letzten Stuhl besetzten Saal zeigte, wie wichtig das Thema Integration mittlerweile für Muslime, Kommunalpolitiker und Remagener Bürgerschaft geworden ist. Auch eine ganze Reihe von Mandatsträgern der Grünen und SPD sowie allen voran die Vorsitzende des Kreis-Integrationsbeirates, Asuman Bender, unterstützten durch ihr Kommen den Integrationsgedanken und das Miteinander durch gemeinsame Gespräche mit allen Gruppen.

Bessere Betreuung nur als Zufallsprodukt?

Nicht ohne Symbolkraft war es dem Imam Abdulmenaf Tekeci, Vorbeter der islamischen Gemeinde Remagens, vorbehalten, mit seinem Anliegen einer wissenschaftlichen Untersuchung über die muslimische Gemeinde die erste Frage in die Runde zu geben. Die Antworten machten deutlich, dass sich die Erkenntnisse über die muslimische Wohnbevölkerung in Remagen zurzeit weitgehend auf die Statistiken des Einwohnermeldeamtes stützen. Deutlich wurde allerdings, dass die Kandidaten wenige Chancen sehen, zusätzliches Geld für ein Gutachten „in die Hand zu nehmen“. Beate Schleitzer betonte deshalb die besondere Bedeutung des Ehrenamtes. Bürgermeister Herbert Georgi verwies auf zahlreiche Verbesserung und Entwicklungen der letzten drei Jahre im Vorschul- und Grundschulbereich. „Wir sind in Bewegung“, brachte der Stadtchef seine Sicht auf den Punkt. Als Expertin in Sachen Schule, Bildungschancen und Betreuungsangebote machte Gudrun Rieck vom Schulelternbeirat an der St.-Martin-Grundschule in Remagen dagegen deutlich, dass verbesserte Betreuungsangebote nicht nur als „Zufallsprodukte der guten Personalausstattung bei einer nur zwischenzeitlich geringeren Kinderzahl“ wirken dürften. „Denn in Zeiten des demographischen Wandels müssen wir zukunftsorientiert durch qualitativ und quantitativ gute Bildungsangebote in Kindertagesstätten und Schulen nachhaltig jedem Kind den erfolgreichen Weg ins Berufsleben ebnen“, so die engagierte Elternvertreterin.

Gudrun Rieck, St.-Martin Grundschule

 

Ohne türkische keine deutsche Grammatik

Wo der Schuh noch heute in der Schul- und Sprachausbildung der türkischen Schülerinnen und Schüler drückt, das konnte der Remagener Erhan Özdemir an seiner eigene Bildungskarriere eindrucksvoll erläutern: „Das Problem ist, das die türkischstämmigen Kinder in der Schule ihre eigene Muttersprache schlecht oder nur unzureichenden lernen können“, so der ehemalige Hauptschulabsolvent, der später in der Türkei erfolgreich Germanistik und Pädogogik studierte. „Wer die Grammatik in seiner türkischen Muttersprache nicht erlernt hat, der kann sich auch nicht -wie angestrebt- die deutsche Sprache erfolgreich aneignen“, erklärte der Vater von zwei Kindern die Ursache von Schulproblemen vieler Migrantenkinder. Die Kandidaten waren sich einig darin, dass die Stadt hier ein Pilotprojekt für türkischen Unterricht entwickeln sollte. Auch wenn Lehrpläne Ländersache seien, versprach Bürgermeister Georgi, sich noch in den nächsten Wochen dieser Angelegenheit annehmen und auch die Bürgerstiftung Remagen mit einbinden zu wollen.

Remagen, Imam Abdulmenaf Tekeci Bürgermeister-Kandidaten bei muslimischer Gemeinde

Die zahlreichen Fragen aus dem täglichen Leben, die zuvor in der türkischen Gemeinde gesammelt wurden, konnten vom amtierenden Ausländerbeauftragten Ahmet Bulut vorgetragen und zugleich die Antworten der Kandidaten teilweise zurück ins Türkische übersetzt werden. Dabei zeichnete sich für den auf Kreisebene so erfolgreichen Fußballklub »Türkspor Remagen« eine befriedigende Lösung seiner Raumprobleme auf dem Sportplatz ab. Auch hinsichtlich der Friedhofsbelegung durch muslimische Familien will sich die Stadt laut Bürgermeister zukünftig öffnen. War dies bislang doch nur in der Stadt Sinzig möglich. Besonders zu beachten ist hier die Ausrichtung der Grabstätten gen Mekka, was aber heute wegen der Fehlbelegung auf vielen Friedhöfen im Stadtgebiet kein Problem mehr sei. Detlev Maaß sprach die Probleme der Einzelhändler mit (Fußball) spielenden türkischen Jugendlichen in der Innenstadt an.

Rheinhallennutzung weiter umstritten

Deutlicher Dissens blieb in der Frage der Rheinhallennutzung. Bürgermeister Georgi sieht diese für Vereine, aber nicht für türkische Familienfeste –so wie noch vor 9 Jahren möglich- geöffnet. Beate Schleitzer schlug hier eine eingehende Prüfung vor, bei der auch die vorhandenen Einnahmechancen für die Stadt mit in die Waagschale geworfen werden müssten. „Wir können unsere Gemeinschaftshäuser nicht vor den ausländischen Mitbürgern generell verschließen“, gab die CDU-Ratsfrau zu erkennen. Spontan auf Zurückhaltung stieß der Vorschlag zumindest bei Herbert Georgi, mit Hilfe der muslimischen Gemeinde die Städtepartnerschaft mit einer türkischen Stadt ins Leben zu rufen.

Zum Abschluss griff Moderatorin Ute Kreienmeier den Vorsatz von Detlev Maaß, aktiv auf die muslimische Gemeinde zugehen zu wollen, noch einmal auf: „So viele Barrieren gibt es wohl gar nicht, wenn man mehr miteinander redet. Dies zu tun haben die Bürgermeister-Kandidaten heute alle versprochen“, zog die Ratsfrau ihr Resümee über eine „gelungene Veranstaltung“ als Auftakt eines hoffentlich kontinuierlichen Dialogs mit der muslimischen Gemeinde.

Pressedienst
WählerGruppe Remagen (WGR)

 
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