WDR LOKALZEIT Bonn: Video vom 07.07.08

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Remagen auf Suche nach neuem Strombetreiber

Van Bergen: „Netz wird nicht abgeschaltet“

 

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Remagen.  Nach 20 Jahren Laufzeit sind am Jahresende 2009 die Konzessionsverträge Remagens mit der RWE abgelaufen. Die Stadt ist bereits seit über zwei Jahren auf der Suche nach einem Betreiber für ihr Stromnetz. Mit Konzessionsverträgen räumt die Kommune einem Energieversorger das Recht ein, die öffentlichen Wege und Plätze für eigene Gas- und Stromleitungen zu nutzen. Eine Machbarkeitsstudie über die zukünftige Stromversorgung im Kreis Ahrweiler aus dem Jahr 2009 wurde erst jetzt vor wenigen Tagen den Fraktionsspitzen auf den Tisch gelegt. In der Remagener Kommunalpolitik kommt zunehmend Kritik auf, dass Bürgermeister und Stadtverwaltung die seit geraumer Zeit laufenden Verhandlungen der Kommunen im Kreis Ahrweiler hier in Remagen wie ein „Geschäft der laufenden Verwaltung“ handhaben, ohne den Stadtrat in die notwendige Grundsatzentscheidung über den zukünftigen Energiebetreiber bzw. den „Weg bis zur Steckdose“ eingebunden hätten.

Ahrtal-Werke, Stromkonzessionsvertrag

Interessierte Diskussionsrunde bei der WGR-Informationsveranstaltung am 4. August in Kripp

Die Wählergruppe Remagen e.V. (WGR) hatte daher nun zu einer Informationsveranstaltung nach Kripp eingeladen und es kamen eine große Zahl interessierter Bürger. Auch einige Politiker aus dem Stadtrat waren der Einladung gefolgt, ging es doch darum, Informationen aus professioneller Hand über die Vorzüge kommunaler Energieversorgung zu erhalten. Als Vortragenden hatte die WGR Johannes van Bergen gewonnen, Geschäftsführer der Stadtwerke Schäbisch Hall, einer Kommunalen Unternehmung, die mit anderen Kommunen wie in Bad Neuenahr eine Vielzahl von gemeinsamen Unternehmen betreibt, die alle die Energieversorgung der Einwohner der Kommunen zu wettbewerbsfähigen Preisen zum Ziel haben.

Für van Bergen steht dabei der Vorteil von Unternehmensverbünden im Vordergrund. Diese machen Netzübernahmen, den Bau von Kraftwerken und den Bau neuer Leitungsnetze für Wärme und Kommunikation möglich. „Gemeinsam sind wir stark“ heißt die Devise. Ein Stadtwerk allein wäre finanziell viel zu schwach, könnte die notwendigen Fachkräfte nicht bezahlen, um solche Leistungen zu erbringen. Am Ende gibt es nicht nur Vorteile für die Bürger, sondern auch für die Kommunen, die sich an einem solchen Unternehmen beteiligen, wobei eine Beteiligung der Kommune von bis zu 51% immer möglich ist. Mit Strom und Gas werden Gewinne gemacht, die die Verluste, die die Kommunen in der Regel mit anderen Einrichtungen machen, wie zum Beispiel mit Schwimmbädern oder Kultureinrichtungen, ausgegleichen, ohne dass es den Bürger mehr kostet. Ein Konzept, welches aufgeht und schon bei einer Reihe von Kommunen aufgegangen ist, was van Bergen eindrucksvoll belegen konnte. Dabei spielt auch die Nutzung der Kraftwärmekopplung (KWK) eine wesentliche Rolle, liefert sie Energie in Form von Strom, Wärme und Kälte mit einem höheren Wirkungsgrad und damit geringeren Kosten als die heutigen Großkraftwerke.

 

Lebhafte Diskussion

Sein Vortrag, der auch über die Vorzüge erneuerbarer Energie referierte, regte eine lebhafte Diskussion an. Auch Johannes van Bergen ist davon überzeugt, dass die erneuerbaren Energien zu recht auf dem Vormarsch sind; denn die fossilen Ressourcen werden nach heutigen Erkenntnissen nur noch für ca. 50 Jahre zur Verfügung stehen. Allerdings räumte auch er auf Nachfrage von Hans-Gerd Höptner ein, dass das Problem der Energiespeicherung bei weitem noch nicht gelöst ist. Seiner Meinung wird diesem Umstand von der nationalen Politik zu geringe Aufmerksamkeit gezollt. Erneuerbare Energie fällt nämlich nicht gleichmäßig und kontinuierlich an – wenn die Sonne nachts nicht scheint oder der Wind nicht bläst, gibt es keinen Strom – aber die Industrie produziert trotzdem und braucht Energie laufend und kontinuierlich. Also muss man die Energie speichern, wenn sie anfällt und aus dem Speicher entnehmen, wenn sie benötigt wird. Das ist heute nur möglich, weil es die großen Kraftwerke gibt, die als Pufferspeicher wirken. Wirkungsvolle Ersatzspeicher sind derzeit noch nicht verfügbar. Hier muss die Forschung und Entwicklung noch nachholen.

 

Chancen nicht verspielen

Sorge bereitete den Diskussionsteilnehmern, dass es mit dem Ende der Übergangsfrist nach dem Auslaufen der Stromkonzessionsverträge mit der RWE spätestens am 31. Dezember 2010 zum Neuabschluss kommen müsse. Van Bergen konnte allerdings mit diesem weit verbreiteten Eindruck aufräumen: „Eine vertragsfreie Zeit tut nicht weh“, so der Stadtwerkechef. Um so mehr stellten am Ende der Diskussion Ute Kreienmeier und Jörg Roßberg fest, dass die Ratsmitglieder bislang von der Verwaltung nicht nur in Bezug auf die Möglichkeiten kommunaler Energieverbünde uninformiert gehalten wurden. Sie wollen sich mit ihrem Ratskollegen Peter Wyborny dafür stark machen, dass dieses Thema vor dem Stadtrat diskutiert und vom Stadtrat entschieden wird. „Es kann nicht sein, dass eine so wichtige Frage ohne Beschluss des Stadtrates von der Verwaltung einfach beantwortet und umgesetzt wird“, so die auch von anderen Fraktionen unterstütze Einschätzung der WGR-Verantwortlichen. Sie vertraten unter dem Beifall der anwesenden Bürgerinnen und Bürger die Meinung, dass auch der Zeitfaktor keine Rolle mehr spielen darf: „Hier wird mit der Zukunft der Stadt gespielt. Diese darf nicht unprofessionell verspielt werden!“, so das Resüme an die Adresse von Bürgermeister und Stadtverwaltung.

Dr. Hans-Gerd Höptner

 

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