WDR LOKALZEIT Bonn: Video vom 07.07.08

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Unkelbacher Wohnwagen-Jugendtreff

Offenes Gespräch mit dem Bürgermeister

Zuspruch aus der Bevölkerung gibt Mut für nächste Gesprächsrunde

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Nicht nur für die Unkelbacher Jugendlichen, sondern auch für Bürgermeister Herbert Georgi war die Gesprächsrunde über den umstrittenen Wohnwagen-Jugendtreff eine „in dieser Art einmalige Veranstaltung“. Mit diesen Worten begrüßte der Stadtchef am vergangenen Mittwoch in der Unkelbacher Mehrzweckhalle über 30 Jugendliche und Eltern. Anlass für das Treffen ist eine drohende Beseitigungsverfügung der Kreisverwaltung für einen Wohnwagen auf privatem Gelände im Außenbereich, den der Freundeskreis aus ca. 20 Jugendlichen seit längerem als privaten Jugendtreff nutzt. Durch eine Anzeige des BUND (Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland) gegen verschiedene, dem Vernehmen nach ungenehmigte bauliche Anlagen im Außenbereich war auch der Wohnwagen-Jugendtreff ins Visier der Kreisverwaltung geraten. Für den Erhalt ihres Jugendtreffs hatten die Mädchen und Jungs in den vergangenen Wochen über 130 Unterschriften gesammelt und mit Unterstützung der WählerGruppe Remagen e.V. Landrat Dr. Jürgen Pföhler sowie Bürgermeister Herbert Georgi um einen Ortstermin gebeten.

Am letzten Mittwoch hatte der Bürgermeister nun zum Gespräch in die Mehrzweckhalle Unkelbach eingeladen. Für einen Ortstermin am Wohnwagen selber konnte sich der Stadtchef noch nicht erwärmen. Landrat Dr. Pföhler -eigentlich zuständig als Chef der Kreisbauaufsichtsbehörde- hatte den „Fall“ im Vorfeld erst einmal an den Bürgermeister delegiert und nahm daher an diesem Abend auch nicht an den Gesprächen teil. Mitgebracht auf das Podium hatte der Bürgermeister jedoch den städtischen Jugendpfleger Jürgen Heibel, Ortsvorsteher Stefan Kirwald und die Betreuerin des Jugendkellers, Helga Hoffmann.

Zu Beginn der lebhaften Diskussion trugen die Mädchen und Jungs zunächst ihre Sorgen und Nöte vor. In der Vergangenheit seien sie im Ort an ihren verschiedenen Treffs, so zum Beispiel an der Kirche, am Sportplatz oder vor der Mehrzweckhalle, immer wieder von Ruhe suchenden Nachbarn verdrängt worden. Auch der im Ort vorhandene Jugendkeller sei weder von den Öffnungszeiten noch vom Angebot her auf die Wünsche und Bedürfnisse der Jugendlichen im Alter zwischen 16 und 20 Jahren ausgerichtet. So habe dieser -mitten im Ort gelegen- nur mittwochs von 16 bis 20 Uhr geöffnet. Einmal im Monat finde ein Bastelnachmittag statt. „Wegen Schule und Ausbildung treffen wir uns meistens am Wochenende“, erklärte Mauritius Stichnote als Sprecher der Jugendlichen. Aber genau dann habe der Jugendkeller geschlossen. „Und mit einem Bastelstunde haben wir nicht mehr so viel am Hut“, argumentierte ein 18-jähriges Mädchen. Weil aber die Jugendlichen überall im Ort –auch vor dem Jugendkeller- nur stören würden, hätte dann Gernot Stichnote, selber Vater von betroffenen Kindern, als Lösung des Problems einen Wohnwagen auf seinem privaten Grundstück unterhalb des Unkelbacher Steinbruchs zur Verfügung gestellt.

Auch die anwesenden Eltern setzten sich engagiert für den Erhalt des Wohnwagentreffs ein: „Wir sind froh, dass die Jugendlichen einen Treffpunkt um die Ecke gefunden haben und dort gut aufgehoben sind“, forderten sie den Stadtchef auf, sich für seinen Erhalt einzusetzen. Bürgermeister Georgi hielt allerdings dagegen, dass er und seine Stadtverwaltung für eine baurechtliche Entscheidung über Verbleib oder Wegfall des Wohnwagens nicht zuständig seien und listete immer wieder einschlägige Gesetze und Paragraphen auf. Diese Entscheidung könne zuständigkeitshalber nur von der Bauaufsicht des Kreises getroffen werden. „Wenn die Stadt Remagen nicht zuständig ist, warum ist dann der zuständige Landrat heute nicht hier?“ konterten die Jugendlichen und zeigten kein Verständnis für diesen „negativen Kompetenzenstreit“.

Bürgermeister mit Vorschlägen im Gepäck

Bürgermeister Georgi hatte allerdings auch Lösungsansätze vorzutragen: Er bot an, mit den Jugendlichen über veränderte Öffnungszeiten und verbesserte Ausstattungen des Unkelbacher Jugendkellers mit sich reden zu lassen. Insbesondere schlug er als „ergänzende Alternative“ zum Wegfall des Wohnwagentreffs vor, die Mädchen und Jungs mit dem neuen Remagener Jugendbus mehrmals pro Woche zum Jugendbahnhof nach Remagen chauffieren zu lassen. Gerade der letzte Vorschlag stieß allerdings bei den Betroffenen auf wenig Gegenliebe: „Unser Wohnwagentreff steht für eine intakte und funktionierende Gemeinschaft im Ort“, erläuterten die Jugendlichen ihren Wunsch nach einer „Unkelbacher Lösung“. Mit dem Wegfall werde auch die gewachsene Gemeinschaft auseinanderfallen, so ihre Befürchtungen. Argumentative Unterstützung gab es hierzu auch von der WählerGruppe Remagen. „Mit 18 Jahren machen die Mädchen und Jungs normalerweise Schule, beginnen eine Lehrausbildung oder ein Studium, gehen zur Bundeswehr und könnten sogar schon heiraten. - Da wollen sie sicher nicht mehr mit dem Jugendbus zum Jugendbahnhof Remagen gekarrt werden, um dort unter der Obhut des Jugendpflegers ihre Abende zu verbringen!“, zeigte Ratsmitglied Ute Kreienmeier Verständnis für die Zurückhaltung der Jugendlichen.

Zuspruch für nächste Gesprächsrunde

Am Ende der Besprechung gab es daher keinen Konsens über brauchbare Alternativen zur bestehenden Situation. „Herr Bürgermeister, wir hatten erwartet, dass sie uns Mut machen, anstatt nur immer zu sagen, was alles nicht geht“, brachte ein Jugendlicher die Stimmung im Saal auf den Punkt. Bürgermeister Georgi sicherte seinerseits als Ergebnis der zweistündigen Besprechung zu, sich für eine Fortsetzung der Gespräche mit den Fachleuten der Kreisverwaltung einzusetzen. Mit Landrat Dr. Pföhler wolle er daher kurzfristig Kontakt aufnehmen. Auch nach Ansicht der WählerGruppe Remagen ist nach dieser Gesprächsrunde die Zukunft des Wohnwagentreffs zwar immer noch ungewiss. „Mut macht allerdings der Zuspruch und die Unterstützung aus der Bürgerschaft“; berichtet die Unkelbacher Sprecherin der WählerGruppe, Elke Grafen-Müller. Nach der Versammlung habe sich ein Grundstückseigentümer schriftlich bei der WählerGruppe gemeldet und sein ca. 1.000 m2 großes Grundstück in Unkelbach den Jugendlichen als Alternativstandort kostenlos zur Nutzung angeboten.

 

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