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Artikelarchiv vom 14.10.2006

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Die "Perle von Oberwinter" kommt auf den Schrott

Politiker beschließen hinter verschlossenen Türen die Entsorgung des mit Asbest belasteten Schiffwracks - Die Kosten belaufen sich auf rund 56.000 Euro - Die Hälfte der Entsorgung trägt der Steuerzahler

Von Andreas Wetzlar

Remagen. Das ehemalige Fahrgastschiff "Bellevue" hat ausgedient, und das schon seit Jahren. Wo sich früher die Fahrgäste tummelten und vom Oberdeck aus die Aussicht auf das romantische Rheintal genossen, nagt heute der Zahn der Zeit.
Einziger Gast auf dem Schiff ist der Rost, und der macht sich immer weiter breit. Seit 1997 liegt auf der Helling der Schiffswerft in Remagen-Oberwinter die "Bellevue", die einmal den Namen "Perle von Oberwinter" trug, und wartet vergeblich auf bessere Zeiten. Das Problem ist der Innenbereich des Schiffes, denn der ist mit schwach gebundenem Spritzasbest belastet. Eben jener Asbest beschäftigt seit geraumer Zeit auch die Verantwortlichen im Kreistag.

In einer nichtöffentlichen Sitzung des Kreis-und Umweltausschusses stand die fachgerechte Entsorgung der Umweltlast einmal mehr auf der Tagesordnung. Eine Lösung des Umweltproblems scheint aber jetzt gefunden zu sein. Zur Vorgeschichte: Eigentümer des Werftgeländes und des Schiffes ist Rainer Ritzdorf aus Oberzissen. Das Werftgelände ist zur Zeit an die Werft- und Servicezentrum Mittelrhein GmbH mit Sitz in Oberwinter verpachtet.

Bereits im Jahr 2003 wurde im Auftrag der Werft- und Servicezentrum Mittelrhein GmbH der hintere Teil des Schiffes entsorgt. Dabei wurde für diesen Teilbereich zuvor der Asbest unter Beachtung der organisatorischen und sicherheitstechnischen Forderungen ordnungsgemäß beseitigt. Das verbliebene Restschiff wurde seitdem mehrfach zum Verkauf angeboten.

Mehrere Interessenten wurden entsprechende Angebote für eine Sanierung und einen Wiederaufbau des Schiffes unterbreitet. Allerdings blieben die jahrelangen Bemühungen aufgrund der hohen Kosten für die Asbestbeseitigung ohne den gewünschten Erfolg. Nach Mitteilung des Geschäftsführers der Werft- und Servicezentrum Mittelrhein GmbH und des Grundstückseigentümers ist eine Wiederinbetriebnahme des Schiffes inzwischen völlig aussichtslos und wird daher für die Zukunft auch nicht mehr in Erwägung gezogen.

Da der ursprüngliche Verwendungszweck weggefallen ist, handelt es sich bei dem Schiffswrack mittlerweile um Abfall, wodurch das Ortsbild von Oberwinter gestört wird. Außerdem ist zweifelhaft, ob der Schiffskörper dauerhaft komplett gegen Umwelteinflüsse abgeschottet werden kann. Zudem besteht, laut Vorlage der nichtöffentlichen Sitzung, die Gefahr, dass der schwach gebundene Asbest Umwelteinwirkungen herbeiführen und die Gesundheit der Menschen schädigen kann.

Das Schiff ist daher zu beseitigen. Das Ministerium für Umwelt und Forsten Rheinland-Pfalz hat mittlerweile den Kreis Ahrweiler über die Struktur- und Genehmigungsdirektion Nord aufgefordert, alsbald gegenüber dem Verpflichteten eine Beseitigungsverfügung zu erlassen und soweit erforderlich, für eine zeitnahe Zwangsvollstreckung Sorge zu tragen.

Die Kreisverwaltung als Untere Abfallbehörde ist daher verpflichtet, den Eigentümer des Schiffes, sprich den Grundstückseigentümer Rainer Ritzdorf, durch abfallrechtliche Verfügung aufzufordern, das ehemalige Fahrgastschiff ordnungsgemäß zu entsorgen. In der polizeilichen Verfügung wurde für den Fall der Nichtbefolgung gleichzeitig die Entsorgung durch eine Fremdfirma angedroht.

Die bei einer beschränkten Ausschreibung ermittelten Kosten für die reine Asbestbeseitigung liegen zwischen 73 660 Euro und 204 392 Euro. Durch die mindestbietende Firma Asbestentsorgung AsEG aus Girkenroth wurde alternativ die komplette Entsorgung des Schiffes einschließlich der Verwertung des Altmetalls zu ihren Gunsten angeboten.

Durch die Eigenverwertung des Altmetalls reduziert sich die Angebotssumme auf 55 680 Euro. Auf Kreis-Nachfrage bei der Gewerbeaufsicht der SGD Nord verfügt die Firma AsEG über die erforderliche Zulassung für Asbestsanierungen und ist als zuverlässiges Unternehmen bekannt.

Da der Eigentümer des Schiffes bereits eine eidesstattliche Versicherung abgegeben hat und zudem das Grundstück sehr hoch mit Grundschulden belastet ist, ist nach Ansicht der Kreisverwaltung zu befürchten, dass die anfallenden Kosten für die Entsorgung nicht beigetrieben werden können. Die auf dem Werftgelände tätige Werft- und Servicezentrum Mittelrhein GmbH kann aufgrund gesetzlicher Bestimmungen nicht zur Beseitigung des Schiffes in Anspruch genommen werden.

Trotzdem konnte in langwierigen Verhandlungen des Kreises mit der Firma Werft- und Servicezentrum Mittelrhein GmbH erreicht werden, dass diese sich freiwillig zur Hälfte an den Entsorgungskosten mit einem Betrag in Höhe von 27 840 Euro beteiligt. Die andere Hälfte muss zunächst aus Mitteln des Kreishaushaltes, also Steuergeldern, übernommen werden. Zu einem späteren Zeitpunkt soll dann versucht werden, diese Kosten bei dem Schiffsbesitzer beizutreiben.

(14.10.2006)

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