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RZ-Online Artikelarchiv vom 24.03.2009

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In Remagen finden Reiche ihr Refugium

 Im Calmuth-Tal sammeln sich prominente Bewohner: Ein Showmaster, ein Filmproduzent und ein Solarunternehmer haben dort historische Landsitze

Nach Verfall regt sich in Remagen neues Leben: Nach und nach nehmen sich Prominente der dort zuhauf stehenden herrschaftlichen Häuser an.

REMAGEN. Mancher sieht schon ein "Beverly Hills" am Rhein entstehen: Remagens Calmuth-Tal im Kreis Ahrweiler mausert sich zum Rückzugsort für Prominente. Als Retter eines historischen Landsitzes hat sich dort schon Thomas Gottschalk mit der Renovierung von Schloss Marienfels verdient gemacht. Wenige Meter weiter im Wald versteckt müht sich der Filmproduzent Ulrich Felsberg ("Lisbon Story", "The Milllion Dollar Hotel", "Buena Vista Social Club"), dem früheren Diplomatensitz Schloss Ernich sein altes Aussehen zurückzugeben. Am Taleingang, an der B 9, liegt Haus Herresberg, eine imposante Jugendstilvilla, die der Bad Breisiger Baustoffhändler Bodo Peters seit Jahren mit äußerster Sorgfalt saniert. Jüngster prominenter Zuzügler ist Frank Asbeck, Chef des weltweit agierenden Solarkonzerns "SolarWorld", dessen Wochenendgrundstück direkt an Gottschalks Ländereien grenzt.

Eigentlich hatte der "Sonnenkönig" Asbeck ja nur ein Plätzchen für eine Blockhütte gesucht. Aber wie´s dem Bonner Unternehmer öfter geht: Sein Plan gewann an Umfang. Schlagzeilen machte Asbeck zuletzt, als er Opel kaufen und den Vatikan mit Sonnenstrom modernisieren wollte. Auch das Vorhaben, in den Bonner Rheinauen ein feudales Löwengehege zu installieren, ist noch nicht vom Tisch. Aktuell ist von Asbeck die Rede, weil er seinen Waldbesitz in Remagen mehren will. 150 Hektar besitzt der passionierte Jäger dort schon, 100 weitere hätte er gern. Denn statt einer Blockhütte hat er ein Jagdschloss gefunden: Schloss Calmuth. Nun arbeitet der Diplom-Agrarwissenschaftler und Mitbegründer der Grünen in Nordrhein-Westfalen daran, das dahinschlummernde Landgut, Baujahr 1895, zu wecken.

Bürger fürchten neue Zäune

Schön für die Stadt, findet Remagens Bürgermeister Herbert Georgi, der das Calmuth-Tal mit dem Potsdamer Promi-Viertel am Heiligen See vergleicht: "Dort halfen auch nur zwei Dinge - Dynamit und ein Bulldozer. Mittlerweile ist es das teuerste Wohnviertel im Umland Berlins. Günther Jauch, Wolfgang Joop und Nadja Auermann wohnen dort." Dass jemand, der überall wohnen kann, ausgerechnet nach Remagen zieht, zeuge vom hohen Wohnwert am Rhein - und vom Aufschwung in der Region, die den Wegzug der Hauptstadt bisher nicht verkraftet hat.

Doch so freudig die Remagener prominente Neuzugänge begrüßen - an Asbecks Waldkauf hat sich eine lokale Debatte entzündet. 90 Prozent des Stadtwaldes sind schon in Privatbesitz. Nun bangen die Bürger um ihren Naherholungsraum. Befürchtungen, Asbeck könne bald hohe Zäune um seine Bäume ziehen, wischt er vom Tisch: "Wenn der Kauf klappt, kriegt Remagen nicht nur neu befestigte Wanderwege, sondern auch eine Besenwirtschaft", verspricht der bekennende Genießer, der auf seinem Waldgut bald Forellen, Krebse und Karpfen züchten will.

Überhaupt hat der Mann, der da in Jeans und Lodenjanker einem Maserati entsteigt, mit dem ehemaligen Klostergut der Benediktinerpropstei Apollinarisberg viel vor. "Das wird das Napa Valley am Rhein!", witzelt er in Anlehnung an die Vergleiche mit Beverly Hills, die eine Lokalpolitikerin gern zieht.

Weinbau soll aufleben

Nicht ohne Hintergrund: Das Flurstück "Im Wingert", das er mit dem Forstbetrieb erworben hat, weisen alte Katasterbüchern als außergewöhnliche Weinlage aus. Ein paar alte Reben hat Asbeck beim Roden schon gefunden - für ihn Grund genug, den nicht mehr vorhandenen Weinbau in Remagen zu rekultivieren. "Das milde Klima im Tal und der zur Sonne ausgerichtete Hang sind ideal", sagt Asbeck und zeigt auf einen bereits blühenden Apfelbaum.

Zeit, bei einem der Nachbarn reinzuschauen, hatte er noch nicht. Auch ist manch einer, der hier wohnt, nicht unbedingt auf Besuch erpicht. Die neuen Calmuth-Bewohner schätzen das Tal vor allem als Rückzugsort. Ungestört von Ausflüglern auf Prominentenjagd kann Thomas Gottschalk hier rund um sein Anwesen joggen. Auf Spekulationen über einen Wegzug des Showmasters reagiert seine Sprecherin Gabriele Helgemeir deshalb unmissverständlich: "Vergessen Sie die Gerüchte. Herr Gottschalk bleibt, auch wenn er kaum da ist!"

Von Asbeck ist da mehr Präsenz zu erwarten. Ursprünglich wollte er auch im August seinen 50. Geburtstag mit einem Jagdfest feiern. Doch das wird nichts werden. Gut 100 000 Arbeitsstunden, so schätzt er, muss er allein im Haupthaus investieren. Der Originalzustand von 1900 lässt sich derzeit nur erahnen: Reste von 50er-Jahre-Schick, am Boden wellt sich aufgeplatztes Linoleum. Vorbesitzer haben den Stuck von den repräsentativen Decken geschlagen, bestenfalls übertapeziert. Die prägendsten Spuren aber hat die Internationale Film-Union hinterlassen: In den 1940er bis 70er-Jahren hat die Firma hier Kino- und Fernsehfilme kopiert und synchronisiert. Stars wie Romy Schneider, Hildegard Knef oder Gert Fröbe arbeiteten im Schloss und den Nebengebäuden. Bis heute zeugt eine Filmkopierstrecke davon. Tausende Filmrollen hat Asbeck seit dem Kauf im vergangenen Jahr aus dem Schloss schaffen lassen. Sie werden gesichtet, vielleicht restauriert. Der Aufwand schreckt ihn nicht. "Man muss nur die Augen leicht zukneifen", sagt er, "dann sieht man schon, wie"s aussieht, wenn es fertig ist!"

Hang zu altem Gemäuer

Der Visionär mit Faible für historische Häuser weiß, worauf er sich eingelassen hat: Auch sein privates Wohnhaus, die Villa Cahn in Bad Godesberg, war eine Ruine, bevor Asbeck sich des Schlosses in neogotischem Stil angenommen hat. In Bonn wurden das Wasserwerk in Plittersdorf, der Fronhof in Endenich, das Rex-Kino und das Theater im Ballsaal unter seiner Regie renoviert. Jetzt freut ihn, dass der erste Fliesenleger von Schloss Calmuth stapelweise Originalmaterial dagelassen hat.

Den Hang zu altem Gemäuer teilt auch der Dortmunder Software-Pionier Kai Krause, der acht Kilometer Luftlinie rheinaufwärts auf Burg Brohleck residiert. Seinen mittelalterlichen Wohnsitz in Bad Breisig hat er "ByteBurg" getauft. Aber das ist eine andere Geschichte.
Nicole Mieding

 

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