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Rheingold-Bellevue erinnert an große Zeit in Rolandseck 

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Gebäude steht nun leer und war als Standort für Arp Museum im Gespräch

Einst in der großen Zeit war das Hotel Rheingold-Bellevue in Rolandseck ein beliebter Anlaufpunkt.

Rolandseck - Auf eine belebte Geschichte blickt das ehemalige Hotel Rheingold-Bellevue zurück.

Direkt in unmittelbarer Nähe gegenüber dem Arp-Museum träumt das ehemalige große Hotel Rheingold-Bellevue seinen Dornröschenschlaf. Das Haus mit dem großen parkähnlichen Garten am Rheinufer war in früheren Zeiten exklusive Anlaufstelle für Tausende von Gästen. Nach einer wechselvollen Geschichte ist es eines der letzten Gebäude, die an die große Zeit erinnern, in der Rolandseck als Aushängeschild für den romantischen Mittelrhein internationales Publikum anlockte.

Heute dient das einstige Prachtstück nur noch als Lager und Atelier. Die Rhein-Zeitung machte einen Besuch bei Klaus Decker, dessen Familie das Anwesen in der vierten Generation besitzt. „Mein Großvater Ludwig Decker hat das Hotel, das damals noch als Haus „Billau“ bekannt war, Anfang des letzten Jahrhunderts erworben – da bestand es nur aus dem Mittelteil zwischen den beiden Giebeln, die er – wie auch den Festsaal links daneben – später anbaute“, erzählt Klaus Decker. Der Ballsaal erstand nach einem schweren Hochwasser. Ludwig Decker führte das Haus mit seiner Frau Paula und hatte zur Hochsaison zeitweise 28 Angestellte.

Tolle Aussicht

Neben den herrlichen Gartenanlagen glänzte das Hotel mit seiner fantastischen Aussicht, Privatbädern in den Zimmern, Gesellschaftsräumen und Terrassen. „Hier befand sich die Hauptanlegestelle der Köln-Düsseldorfer-Dampfschiffsgesellschaft. Da waren in der Hochsaison bei gutem Wetter täglich 400 bis 500 Menschen in Rolandseck, die sich auf die verschiedenen Häuser verteilten – das Hotel Anker, das Hotel Rolandseck, das Bellevue mit seinem Nebenhaus, das uns heute als Wohnhaus dient, der Düsseldorfer Hof, der Krefelder Hof und das Hotel Decker, das mein Großonkel Julius mit seiner Frau Else führte. Diese Gebäude sind ebenso verschwunden wie etwa die romantischen Bauten des Kyffhäuserheims und Haus Kasselbach als Erholungsheim der Stadt Aachen mit seinen riesigen Parks. Nach und nach wurden sie alle abgerissen, der Charme des Ortes hat dadurch sicherlich nicht gewonnen“, bedauert Decker noch heute.

Während des Krieges fungierten alle diese Häuser als Militärlazarette und Ausweichkrankenhäuser des Kölner Klinikums Lindenburg. So auch das Hotel Rheingold-Bellevue, das der Krankenversorgung diente. Im Nebengebäude war das Schwesterhaus untergebracht. Nach dem Krieg renovierte Klaus Deckers Vater Ludwig das Hotel für viel Geld und führte es kurze Zeit. Doch die glanzvollste Zeit war vorüber. Das Hotel musste schließen.

Bald darauf vermietete Ludwig Decker das Haus an die „Astrophysikalische Forschung“, die dort neun Jahre lang mit ihren Wissenschaftlern und Feinmechanikern vor dem Neubau der Station in Berkum ihre Heimat fand. Eine sorglose, wenn auch kurze Zeit verbrachten dort Studenten der Universität Bonn als Mieter, bevor Gastarbeiter der Firma Boge einzogen. Schließlich ging ein Antiquitätenhändler in dem Hotel viele Jahre lang mit großem Erfolg seinen Geschäften nach. Seit den 70er Jahren steht das Haus leer.

Kaufinteressenten gab es zwischenzeitlich viele, doch die Familie konnte sich letztlich nicht dazu durchringen, sich von ihrem langjährigen Besitz zu trennen. Kleine Anekdote am Rande: Hätten sie sich damals anders entschieden, wäre das neue Arp-Museum höchstwahrscheinlich auf dem Gelände des „Rheingold Bellevue“ errichtet worden. „Es hieß, der amerikanische Architekt Richard Meier hätte bei einem ersten Rundgang für den Neubau drei Örtlichkeiten vorgeschlagen – doch diese hier war sein Favorit“, erinnert sich Decker.

Angebot abgelehnt

Remagens Altbürgermeister Hanspeter Kürten hatte bei ihm und seiner Mutter Katharina vorgesprochen und ein Angebot formuliert, was die Familie jedoch ablehnte. „Ich bin stolz darauf, alles so lange zusammengehalten zu haben. Trotzdem tut es weh, aus Kostengründen zusehen zu müssen, wie der Zahn der Zeit seine Spuren hinterlässt und der Zustand des Gebäudes immer schlechter wird“, bedauert Decker.

Jetzt ist sein Sohn Philip Eigentümer. „Vielleicht ist ihm ja vergönnt, was uns nicht gelungen ist: Das Haus einer guten Bestimmung zuzuführen“, wünscht er sich. Die direkte Nachbarschaft zum Arp Museum lässt den Betrachter das Potenzial zumindest erahnen.

Judith Schumacher

 

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