WDR LOKALZEIT Bonn: Video vom 07.07.08

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Erfahrungsaustausch
über das Zusammenwachsen von Stadt und FH in Bad Honnef

„Kommt die nächste Weinkönigin
vom RheinAhrCampus?“

 

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In Bad Honnef begeistert stets eine charmante Studentin der Internationalen Fachhochschule als Rosenkönigin beim Sommerfest die ganze Stadt. – Warum soll in Remagen nicht auch einmal die Weinkönigin aus den Reihen des RheinAhrCampus ausgewählt werden? So jedenfalls brachten die Vertreter der WählerGruppe Remagen (WGR) die zahlreich erkennbaren Unterschiede der beiden Städten Remagen und Bad Honnef im Miteinander mit ihren Hochschulen beispielhaft auf den Punkt. Eine Delegation aus der Römerstadt war auf Initiative der WGR-Vorsitzenden Ute Kreienmeier jetzt zu einem Rhein übergreifenden Meinungsaustausch über das Zusammenwachsen von Fachhochschule und Stadt nach Bad Honnef gereist. Dort wurden sie von der Honnefer Bürgermeisterin Wally Feiden und dem Kanzler Georg Ummenhofer auf dem Campus der vor 10 Jahren gegründeten Internationalen Fachhochschule empfangen. Im Mittelpunkt der lebhaften Diskussion standen die unterschiedlichen Entwicklungen, die beide Fachhochschulen -im Studienbetrieb jede für sich eine »Erfolgsstory«- von ihren unterschiedlichen geographischen Standorten aus –in Bad Honnef im Zentrum der Innenstadt und in Remagen auf der Grünen Wiese- aus Sicht der Kommunen genommen haben.

Eingangs stellte Ummenhofer zunächst den Campus Bad Honnef als private, staatlich anerkannte Hochschule vor, die verschiedene Studiengänge im Bereich Dienstleistungsmanagement anbietet. Startschuss war im August 2000 mit 720 Studenten noch in einer Ausweichlokalität „Feuerschlößchen“. Mittlerweile lassen sich im neuen Campus 1.500 Studenten beispielsweise in Hotel- und Tourismusmanagement oder Wirtschaftsprüfung & Steuern als Managementnachwuchs ausbilden. Als Vergleich hierzu sind am RheinAhrCampus in Remagen mittlerweile 2.700 Studenten eingeschrieben. Englisch, die Sprache der Geschäftswelt, ist in Bad Honnef die vorwiegende Unterrichtssprache. Auch die Studiengebühren sind bemerkenswert: Mit Beginn des Wintersemesters 2010/11 betragen sie pro Studienjahr immerhin 8.600 EUR.

Studentisches Wohnen in der Innenstadt

Für Bürgermeisterin Feiden fängt die Integration ihrer Studenten in das Leben der „eher etwas überalterten Kleinstadt“ bereits mit dem Wohnen an. So wurden für rund 350 Studenten rund um den Campus in der Innenstadt neue Appartements gebaut. „Diese werden mit einem »Full-Service« bis hin zur kompletten Innenausstattung und wöchentlichen Reinigung für einen monatlichen Preis von 400,00 EUR gebucht“, verwies Kanzler Ummenhofer auf die besonderen Bedürfnisse seiner nicht nur durch Praktikums- und Auslandssemester sehr mobilen Studentenschaft hin. Auch Bürgermeisterin Feiden hatte in der Bevölkerung mehrfach dazu aufgerufen, ob Hausbesitzer nicht zusätzlich Wohnungen anbieten könnten. „Das war ein Selbstläufer!“, freute sich die Stadtchefin dabei über die positive Resonanz. Feiden lässt es sich daher auch nicht nehmen, für ihre Stadt bei den Studenten aktiv zu werben: „Die Erstsemester begrüße ich persönlich und auch die Graduierten werden als „Botschafter unserer Stadt“ von mir persönlich wieder verabschiedet“, so die Bürgermeisterin. „Die Dozentenschaft gehört aber ähnlich wie in Remagen zu den Pendlern“, wußte Kanzler Ummenhofer zu berichten, der sich jedoch selber sofort mit seiner Familie in der Stadt am Rhein niedergelassen hatte.

 

Jugendszene im Zentrum

Auf die Frage des Remagener Ratsmitgliedes Antonio Lopez (B90/Die Grünen), wie sich denn –rein theoretisch betrachtet- der Wegfall der Fachhochschule auf Bad Honnef auswirken würde, war die Reaktion eindeutig: „Die Folgen wären heftig!“, gab Bürgermeisterin Feiden zu bedenken. Nicht nur Schwimmbad, Gastronomie und Innenstadt wären die großen Verlierer. Ohne Studenten würde zum Beispiel das Inselkaffee auf Grafenwerth nicht so boomen. Und auch ein »Mexikaner« in Bad Honnef als „Geheimtipp für unsere Studenten“ wäre hier nicht vorstellbar, hob Feiden die Bedeutung hervor. Ausgelöst durch das studentische Wohnen habe sich also eine lebhafte Jugendszene in der Stadt entwickelt. „Stadt und Bevölkerung erleben die Studenten als positiven Input und Bereicherung“, bestätigte auch Anne Kratz die enorme Ausstrahlung der FH auf das Leben in Bad Honnef. Als Verwaltungsleiterin am RheinAhrCampus in Remagen und gleichzeitig Honnefer Bürgerin hat sie den Aufbau beider Fachhochschulen selber „hautnah“ miterlebt. Natürlich gibt es auch kritische Stimmen: Wie zuletzt bei der Fußballweltmeisterschaft rufen manchmal sogar ältere Anwohner beim Kanzler oder der Bürgermeisterin an, um sich über Ruhestörungen der jungen Leute zu beschweren. „Diese Probleme haben wir in Remagen leider (noch) nicht“, resümierte Wirtschaftsförderer Marc Bors als Vertreter der Stadtverwaltung Remagen. Nicht nur er hält das studentische Wohnen in der Remagener Innenstadt für „ausbaufähig“. Die WGR sieht sogar in der Römerstadt Chancen für ein Projekt »Studentenviertel«, wenn die Innenstadt zunächst einmal für studentisches Wohnen erschlossen und attraktiver gemacht worden sein sollte.

 

FH und Stadt – gemeinsame Projekte

Wie die Stadt Bad Honnef die „Marke Fachhochschule“ für ihr Stadtmarketing nutze oder ob gar ein „Begrüßungsgeld“ für Studenten sinnvoll sein könnte, wollte Ratsmitglied Dr. Jörg Roßberg erfahren. Einen bunten Strauß an gemeinsamen Projekten von Stadt, Gewerbetreibenden und Vereinen hielt die Bürgermeisterin dafür als Antwort bereit: Quasi als Praxisübungen unterstützen die jungen Eventmanager verschiedene Honnefer Veranstaltungen und Feste wie den traditionellen Martinimarkt oder zusammen mit den örtlichen Vereinen einen nicht kommerziellen Weihnachtsmarkt. Wechselseitige Unterstützung gibt es auch beim Rosenfest durch eine Rosenkönigin der FH. In der Diskussion um den möglichen Nationalpark Siebengebirge hatte die Fachhochschule Gutachten erarbeitet und die Diskussion begleitet. Auch bei der Verleihung des Labels »Fairtrade-Town« hat die Fachhochschule ihrer Stadt aktive Unterstützung geleistet. Mit der Gründung des LEO Club engagieren sich Studenten über den örtlichen Lionsclub im sozialen Bereich. Beispielhaft genannt wurden auch das Engagement der Geschäftsleute mit Gutscheinheften oder Schaufensterauslagen zur Begrüßung der Erstsemester. Die Bürgermeisterin wünschte sich hier auch, dass mehr Geschäftsleute ihre Auslagen zumindest phasenweise auf jüngeres Publikum ausrichten mögen. Bemerkenswert ist auch die Beobachtung, dass die Gastronomie und das Hotelgewerbe ebenfalls gerne von den Studenten als Service- und Aushilfskräfte profitiert. Schließlich wurden auch schon zwei Bars von Absolventen der FH gegründet.

 

Stadt muss für FH etwas tun

Bei ihrer Rückreise über den Rhein konnte die Remagener Delegation als vorläufiges Zwischenfazit mitnehmen, dass in Bad Honnef bereits ein intensives Miteinander zwischen Stadt und Fachhochschule gewachsen ist. „Während Honnef ohne FH nicht mehr vorstellbar wäre, würde in Remagen zurzeit niemand so recht merken, wenn unsere Fachschule auf der »Grünen Wiese« einfach wie Rollrasen wieder eingerollt würde“, befürchtet Stadträtin Kreienmeier. Sie sieht daher vordringlich nicht den RheinAhrCampus in der Verpflichtung, etwas für die Stadt zu tun. „In Remagen sind Stadtverwaltung, Politik, Gewerbetreibende, Vereine und die gesamte Stadt jetzt vielmehr erst einmal in der Pflicht und Verantwortung, selber etwas für den RheinAhrCampus zu tun!“, so zumindest aus Sicht der WählerGruppe die vordringliche Agenda für die Zukunft der Römerstadt.

 

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