WDR LOKALZEIT Bonn: Video vom 07.07.08

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Video vom 07.07.08 
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Spannende Führung durch die Kellergewölbe

Traum vom Apollinariskeller
beflügelt die Ideen

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Der Traum vom Wiedererwachen des Apollinariskellers, einem der bekanntesten Traditionsstätten in der Römerstadt, beflügelte die Ideengeber schon im Vorfeld der angekündigten Führung: Vom Vorschlag zur Gründung einer «Caracciola-Weincontor Remagen AG» mit täglichen Führungen durch den Weinkeller bei rustikalen Speiseplatten mit Wein bis hin zur Einrichtung einer «Mega-Disco» nicht nur wegen der hervorragenden Akustik in den insgesamt 1.600 Quadratmeter großen Kellergewölben reichte die Bandbreite der eingegangenen Ideen und Konzepte „pfiffiger Köpfe“ aus der Römerstadt. Sogar RheinAhr.tv war schon kurzfristig mit einem Kamerateam vor Ort, um einen Rundgang zu filmen. Großes Interesse herrschte auch dann am Sonntag, wo Hausherr Dr. Peter Wyborny die großen Eingangsholztore zur öffentlichen Führung durch Kellergewölbe, Parkanlage und Gebäude öffnete. Die Familie Wyborny hatte sich mit Unterstützung der WählerGruppe Remagen e.V. zu einem spontanen Tag der «Offenen Tür» entschieden, weil aus den Reihen von Bürgerliste (FBL) und FDP negative Stimmung gegen Peter Wyborny als Hausherr des ehemaligen Apollinarishotels und Remagener Ortsvorsteherkandidat der WGR geschürt wurde.

Zu Beginn der Führung stellte Wyborny den Zuhörern zunächst anhand der am Kellereingang zum Deichweg seit April 2008 dauerhaft eingelassenen Informationstafeln die Historie des Gebäudekomplexes vor. So kam bereits 1844 Johann August Otto Caracciola, der Großvater des legendären Rennfahrers Rudolf Caracciola, aus Andernach nach Remagen, um hier nicht zuletzt wegen seiner herrlichen Lage am Ufer des Rheins einen neuen Weinhandel zu eröffnen. Otto Caracciola erbaute neben dem Hotel Fürstenberg an der Rheinpromenade auch den 1.000 qm großen, im Deichweg gelegenen Weinkeller als Lager für zeitweise 3.000.000 ltr Weine, die er in alle Welt verschickte. Als Otto Caracciola, Bruder des legendären Rennfahrers, das Geschäft nach dem ersten Weltkrieg übernahm, konnte er den Niedergang um 1925 aber nicht aufhalten. Der Keller und das Hotel wechselte in den Besitz der Leimgardt`schen Weinhandlung, deren Erbengemeinschaft den Apollinariskeller 1960 an den Düsseldorfer Bauunternehmer Paul Plückebaum verkaufte. Dieser baute den Keller in den folgenden acht Jahren zum Hotel Apollinaris im Deichweg aus. Hier trafen sich ab 1968 hochgestellte Persönlichkeiten und Diplomaten aus Bonn und feierten rauschende Feste. 1971 nach dem Weinfest musste das Kellerlokal geschlossen werden, weil - so erzählt man sich in Remagen - wegen fehlender Fluchtwege und zu steiler Treppen im Zeitalter terroristischer Bedrohungen die Sicherheit der prominenten Besucher nicht mehr gewährleistet werden konnte.

Nach dem Eintritt der staunenden Besucher in das „erhabene“ Kellergewölbe blitzten da und dort schon einige wiederhergestellte Reste des alten Glanzes aus der ruhmreichen Zeit auf: Rings um dreizehn tragende Säulen flackerte in den Kerzenhaltern der Kerzenschein in dem ansonsten mit einigen Scheinwerfen ausgeleuchteten Gewölbe. Eine Säule schmückte bereits -nach alten Tapetenresten wieder rekonstruiert- eine rot-weiß-goldene Tapetenummantelung, so wie sie auf den alten Postkarten zu sehen ist. Noch in den letzten Tagen konnten einige Original-Möbelstücke und Inventar zurück gewonnen werden. An der Decke im Eingangsbereich hing bereits der erste professionell restaurierte «Sinziger-Kirchenleuchter», von den sich zwei weitere laut Wyborny gerade in Bearbeitung befinden. Und im Hintergrund spielte zeitgenössische Musik von Harzy Osterwald, der früher hier bei Lifeauftritten das Publikum mit Tanzmusik begeisterte. Zeitzeugin Ilse Wittke, die als junge Frau Gast im Apollinarishotel war und seit 15 Jahren sogar in Remagen lebt, schwärmte von einem Abendessen im Kellergewölbe, dass sie anlässlich eines Betriebsausfluges mit 400 Personen an der Seite ihres Vaters erlebt hatte.

Stimmungsvolles Hauptkellergewölbe im Apollinariskeller: Mit den im ehemaligen Küchenbereich gefundenen Schüsselchen zum Auffangen des Kerzenwachses konnten (fast) alle Kerzenhalter wie damals wieder bestückt werden. 

Während der anschließenden Führung durch die schon weitgehend fertig gestellten Räume in den Seitengewölben erläuterte Wyborny auch sein Konzept zur Wiederbelebung des gesamten Apollinariskellers. Schritt für Schritt will er vorgehen, bis zuletzt der Hauptsaal wieder zu einer Nutzung eröffnet werden kann. „Ich selber bin kein Großinvestor, für den Geld bei der Realisierung keine Rolle spielt“, beschreibt Wyborny die Notwendigkeit für ein wirtschaftlich tragfähiges Gesamtkonzept und seinen persönlichen Einsatz als „Idealist für die gute Sache“. Dabei spielt die bereits erfolgreiche Vermietung von Räumen im Bereich des ehemaligen Hotels über dem Kellergewölbe ebenso eine wichtige wirtschaftliche Rolle wie unten im Keller die sukzessive Inbetriebnahme des Kirchenzimmers, der Bauernstube mit Kamin oder der mit Original-Ersatzteilen mühevoll reaktivierten Kegelbahn und auch der mit über 50 Rhododendren und Azalehen aufgewerteten herrlichen Parkanlage mit Rheinblick. „Die Inbetriebnahme von Kegelbahn und Kamin ist so wichtig, um mit potenziellen Investoren ins Gespräch kommen zu können“, so Wyborny zur Entwicklung seiner Aktivitäten in den letzten vier Jahren. Besonders freute sich Wyborny, dass noch Stunden vor der Führung die Firma Diwo den Nachbau der ersten Caracciola-Gedenktafel am ursprünglichen Ort befestigte. Die Originale hängen heute am «Kwatier Lateng», dessen Eigentümer den Nachbau dankenswerter Weise genehmigte.

Kirchenzimmer im Apollinaris-keller: Das erste originale Enterieur kehrte vor wenigen Tagen zurück. Der Schrank im Hintergrund steht wieder an seinem ursprünglichen Platz; vorne rechts die ersten zurückgekehrten Tische und Stühle, geschmückt mit Original Tellern, Platten und Handtüchern vom Hotel Apollinaris. 

Zurzeit ist der Besitzer des traditionsreichen Gebäudes gezwungen, aus seinen Mieteinnahmen Rückstellungen zu bilden, um möglichst rasch das Parkdeck über dem großen Kellergewölbe gegen Wassereintritt abzudichten. Vor diesem Hintergrund steht die von der FBL aus optischen Gründen propagierte Fassadengestaltung an einen von der Nordeinfahrt aus sichtbaren Rohbau nicht im Vordergrund. „Die Abdichtung des Kellers gegen Wasser ist zurzeit wichtiger als die Optik“, betonte Wyborny hierzu. Völlig überrascht war Wyborny über die Dynamik, die sich allein aus der Ankündigung der Führung ergeben hatte. Er hofft nun auf weitere diskret geführte Kontakte, um möglicher Weise noch weiteres Inventar für den Keller zurückgewinnen zu können.

 

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